Archiv für Dezember 2009
Schönes Leben
Nun mal was ganz anderes. Nicht dass ihr noch denkt, wir haben unseren Entschluss bereut. Das ist wirklich nicht so. Wir geniessen natürlich auch das Leben hier in Namibia. Das mit dem Container war wirklich etwas Stress. Vor allem am Schluss als wir wussten, die Ware ist da und wir bekommen sie nicht.
Das ist aber schon fast Geschichte, denn wir warten ja nur noch auf den roten Kühlschrank und das Bett.
Dank Susanne und Michael sieht es bei uns auch schon ganz wohnlich aus. Wir durften von ihnen einige Möbel ausleihen bis unsere fertig sind. Das wird allerdings etwas länger dauern. Das Problem ist leider, dass jetzt Sommerferien und Hochsaison ist. Da haben alle viel zu tun oder arbeiten gar nicht mehr. Wir sind also damit beschäftigt, Möbel zu bauen. Wenn wir gewusst hätten, dass es doch nicht so einfach sein wird hier Möbel zu kaufen, hätten wir wahrscheinlich doch mehr von der Schweiz mitgenommen. So werden wir wohl warten müssen bis wir im Februar wieder da sind. Dann starten wir das Projekt Esszimmertisch und Stühle. Wenn wir nicht so klare Vorstellungen hätten wie der Tische sein müsste, hätten wir wahrscheinlich auch schon einen. Doch den lassen wir uns hier wirklich genau nach unseren Wünschen schreinern. Das wird allerdings Tage, wenn nicht sogar Wochen in Anspruch nehmen. Wir habe im namibischen Baumarkt schon Erfahrungen gesammelt. Das ist aber einen eigenen Blogeintrag wert.
Was allerdings schon voll eingerichtet und funktionstüchtig ist, ist die Küche. War ja auch klar, dass die als erste eingeräumt wird. Sogar eine Inductionsplatte haben wir. Auf der wird täglich gebrutzelt. Denn wer will schon freiwillig auf Chrigus Kochkünste verzichten. Ich jedenfalls nicht
Die Internetverbindungen im ersten Stock sind viel besser als anfangs angenommen. Zum Telefonieren über Skype reicht es aber trotzdem noch nicht. Was so ein bisschen Höhe ausmacht
So nun wünschen wir euch allen schöne Weihnachten, esst ganz lecker und geniesst den Schnee und die Kälte.
Liebe Grüsse vom Gut Richthofen bei angenehmen 24°
Mirella und Chrigu
Nägel mit Köpfen 2. Teil
Natürlich haben wir die erste Nacht in unserem eigenen Bett nicht gut geschlafen. Zu viele Dinge sind im Kopf herum gewandert. Dafür haben wir den Transport gestern noch selber organisiert, Danke Michael nun wissen wir auch, dass es klappt.
Jetzt müssen wir nur noch das Geld beschaffen. Nach erfolgreichen Telefonat mit der Bank in der Schweiz, sollte das kein Problem mehr sein. Aber eben, einfach geht hier gar nichts. So musste Chrigu nochmals telefonieren, weil die Information noch nicht in Namibia eingetroffen war, wäre auch ein Wunder gewesen. Aber nach anderthalb Stunden des Wartens haben wir endlich das Geld. Unsere Hoffnung, dass es wenigsten 200 Noten gibt wurde aber je zerschlagen, als die mürrische Dame uns drei Bündel à je hundert 100 Noten bringt. Ausbezahlt wird das auch nicht diskret, so wie wir das aus Schweiz kennen, nein, es wir lautstark durch die Zählmaschine gelassen und für alle sichtbar in der grossen Halle abgeben.
Noch etwas zu den Bankangestellten. Also in der Schweiz würden die allesamt entlassen werden. Den von Kundenfreundlichkeit, Diskretion oder Hilfsbreitschaft haben die meisten von denen noch nie etwas gehört. Die einen laufen griesgrämig durch die Hallen, andere kauen an den Nägeln herum, wieder andere träumen vor sich hin oder diskutieren ungeniert den neusten Klatsch aus ihrem Dorf aus.
Und was macht das Büssli? Es streikt wieder und warnt mit einer roten Lampe, dass es Wasser will. Immer dann, wenn es wirklich wichtig ist! Chrigu hat das aber schon gut im Griff und es geht ruck zuck. In der Zwischenzeit kann ich telefonieren. Mit Michael, der schon in Walvis Bay ist und nur darauf wartet, dass die Kisten endlich freigegeben werden. Mit der Spedition, dass wir mit der Kohle unterwegs sind und die Ware frei geben können „ja, sie würden es jetzt sofort dem Zollfreilager durch faxen“ Glaube ich aber nicht. Und recht sollte ich behalten. Denn was sehe ich eine gute halbe Stunde später im Zollfreilager? Gar nichts wurde gefaxt, denn Michael wartet noch immer
Im Büro der Spedition legen wir das Geld bis „uf de letschti Füfi“ (bis auf den letzten 5 Cent) auf den Tisch und verabschieden uns mehr oder weniger kurz angebunden.
Mit vereinten Kräften laden wir dann die Kisten auf die Anhänger und brausen schon nach kurzer Zeit davon. Nicht, dass es noch irgendwem einfällt, uns zu stoppen. Derjenige würde auf jeden Fall die volle Ladung Ärger abbekommen.
Damit wir nicht zweimal an einem Road Block vorbei müssen, fahren wir durch die Wüste. Wir haben nämlich überhaupt keine Lust kurz vor dem Ziel einem Polizisten erklären zu müssen warum der Blinker nicht geht und was in den Kisten ist.
Endlich haben wir es geschafft. die Freude ist grosse bis auf die Sachen die halt noch fehlen. Der Rest folgt wahrscheinlich irgendwann. Heute wollen wir das auch gar nicht mehr so genau wissen. Obwohl, der rote Kühlschrank, die Bettumrandung und die Didgeridoos hätten wir schon gerne auch gehabt. Das Schiff soll am 16. 12. in Walvis Bay ankommen. Aber dann….
Nun sind wir also täglich am Kisten schleppen und am Auspacken. Viele Sachen haben wir schon vollkommen vergessen und es macht grossen Spass, alle die Dinge wieder in den Händen zu halten, die man etwas vermisst hat. Und natürlich ist auch die Kaffeemaschine angekommen. Auf den freuen wir uns jetzt sehr.
Liebe Grüsse aus dem Kistenchaos
Mirella und Chrigu
Nägel mit Köpfen, 1. Teil
Nach turbulenten Tagen, sitze ich nun endlich da und trinke meinen heiss geliebte Nespressokaffee. Der ist nun auch mehr als verdient. Und wenn wir alles gewusst hätten, hätten wir….
Aber eins nach dem anderen.
Irgendwann habe ich beschlossen, so kann es nicht weiter gehen. Ich will jetzt meine Ware
Da Plan a) warten, nichts nutzt und Plan b) Geduld haben, auch irgendwann erschöpft ist, folgt nun Plan c) in die Offensive gehen. Durch Beate fühlte ich mich auch richtig gestärkt. So ein Frauengespräch bei einem guten Kaffee tut immer gut und es schaut dabei auch noch etwas heraus. Ich werde nun mit der Spedition direkt auf Konfrontation gehen und hartnäckig bleiben. Ich werde bei denen so lange im Büro bleiben, bis ich diesen blöden Zettel vom Zoll habe. Vorher werde ich das Büro nicht verlassen! Chrigu ist wenig begeistert von diesem Plan, fährt mich aber trotzdem am Montag nach Walvis Bay.
Pünktlich um neun, dann fangen nämlich die meisten Leute erst an zu arbeiten, sind wir bei der Spedition. Schon kurze Zeit später habe ich auch mein erstes Gespräch. „Nein sie haben noch nichts vom Zoll gehört, das dauert eben immer so lange, man müsse Geduld haben. Und ausserdem hätten wir ja die Rechnung auch noch nicht bezahlt. Ware gibt es erst, wenn das Geld auf dem Konto ist. Das wäre in diese Branche so üblich. Ja ich könne gerne zum Zoll gehen. Ich werde aber selber sehen, warum das so lange dauert. Ausserdem mache er sich keine grosse Hoffnungen, dass ich etwas erreichen kann. Ich hätte ja nicht mal eine Nummer um nachzufragen“ (Die gibst du mir ja auch nicht, denke ich) Ok, etwas desillusioniert bin ich nun schon, aber aufgeben kommt gar nicht in Fragen. Der soll nur denken, das ohne ihn nichts geht. Aber da hat er die Rechnung ohne Mirella gemacht.
Chrigu nimmt das aber nicht so hin und ist stinke sauer. Die meisten von euch können sich gar nicht vorstellen, dass Chrigu sauer werden kann. Kommt auch nur ganz selten vor. Aber dann, sollte man wirklich nicht in seiner Nähe sein. Dass wir die Ware erst nach Erhalt des Geldes haben können, hören wir zum ersten mal
Wir haben zwar die Rechnung schon seit ein paar Tagen. Von der Spedition haben wir ein Mail erhalten, „ich schick mal die Rechnung, ihr könnt sie dann mal bei Gelegenheit bezahlen“, so etwa in diesem Sinne. Von Ware gegen Bares haben wir bis heute nicht gewusst.
Damit die Situation nicht eskaliert, wir haben leider das Gefühl, dass wir gerade verar… werden, nehmen wir wieder einmal Uwes Hilfe in Anspruch. Nach einem kurzen Anruf bei ihm, haben wir bei einer anderer Spedition einen Termin, wo wir unser Herz ausschütten können. Dabei erfahren wir leider wirklich, dass es anders laufen hätte müssen. Die Zollformalitäten dauern in der Regel wirklich nur zwei bis drei Arbeitstage und nicht zehn. Auch wenn es mal etwas komplizierter ist, wie eben bei uns, wo es sich um persönliche Effekten handelt, dauert es nie länger als vier Tage. Ausserdem erfahren wir, dass die Rechnung sehr unklar und sehr hoch ist. Zudem wurden wir als Sammelcontainer behandelt und nicht als Fullcontainer. Das macht in der Abrechnung einen wesentlichen Unterschied. Das wussten wir leider auch nicht (hätte ich doch vorher den Eintrag im Namibia Forum von Kathrin gelesen!) Leider nutzt nun alles Jammern nichts und die Spedition können wir im Nachhinein auch nicht mehr wechseln. Für uns war das Gespräch aber sehr hilfreich.
Nächste Station wäre also der Zoll. Da werden wir auch gleich in Empfang genommen, nachdem wir uns am Eingang eingetragen haben und können unser Anliegen vorbringen. Zwar ist es nicht der Chef persönlich, aber vorsprechen können wir zumindest. „Nein, von dieser Spedition habe er noch nie etwas gehört. Und SIE arbeiten doch immer. Um uns helfen zu können müsse er den Namen des Agenten kennen“. Den kennen wir aber nicht. „Aber wir könnten doch nachfragen und am Nachmittag wieder vorbeikommen, dann könne er uns bestimmt helfen“. Also wieder die Spedition anrufen. Doch da ist mal wieder der Chef nicht da, aber er werde zurückrufen. So wie immer, nämlich gar nie.
In der Zwischenzeit haben wir beschlossen, die Rechnung bar zu bezahlen. Diese 32`000 N$ werden wir ja wohl beschaffen können. Es sind auch eigentlich nur ca. 5000 ChF. Die würden wir in der Schweiz einfach aus dem Bankomat lassen und gut ist. Da würden wir nicht mal mit der Wimper zucken
Wir wissen jetzt ja auch, was das Namibia Forum für einen Wert hat
Aber, und das wäre eigentlich schon fast einen eigen Blogeintrag wert, so einfach geht das dann doch nicht. In Namibia kann man maximal 2000 N$ vom Automaten ziehen. Das sind ca. 200 Euro oder etwa 300 ChF. Wenn es gut geht kann man sogar 4000 N$ bekommen. Also müssten wir theoretisch an einem oder mehreren Automaten 16 mal 2000 N$ entlocken. Das wird aber nie und nimmer gehen. Ist uns eigentlich auch klar. Aber darüber nach denken mussten wir natürlich schon. Rein nur schon die Vorstellung……
Aber über die Bank müsste es via Kreditkarte möglich sein. Also zur ersten Bank. Unser Favorit die FNB. Da hatten wir immer Geld bekommen. Das muss also eine gute Bank sein. Wir also rein und was sehen wir da! Es ist Mittagspause, die Bank arbeitet durchgehen, aber es stehen ca. 200 Menschen in unzähligen Schlagen an
Und ihr wisst ja, Schlange stehen ist nicht gerade Chrigus Lieblingsbeschäftigung. Meine eigentlich auch nicht, aber wir brauchen das Geld. Zum Glück erbarmt sich eine Mitarbeiterin, da wir offensichtlich etwas hilflos dreingeschaut haben und begleitet uns zum richtigen Schalter, der sich im 1. Stock befindet. Sonst würden wir wahrscheinlich immer noch anstehen. Nach vielleicht zehn Minuten kommen wir an die Reihe. Dabei sind wir gar nicht in einer Schlange angestanden, sondern wurden einfach abgeholt. Wie dieses System funktioniert wissen wir jedoch bis heute nicht. Hier auf der FNB können wir nur mit der VISA Geld bekommen. Nach unendlichen Minuten müssen wir aber leider erfahren, dass uns die Auszahlung verweigert wird. Warum, darüber werden wir nicht informiert. Denn genügend Geld ist auf jeden Fall auf dem Konto. Aber wir können es noch auf der Standard Bank versuchen. Das war die magere Auskunft zum Schluss.
Auf dieser Bank stehen nur etwas 50 Menschen in Schlangen an. Was das wohl für ein Zeichen ist? Der Fremdwährungswechselschalter war aber leer und so nutzten wir die Gunst der Gelegenheit. Und siehe da, uns wurde weiter geholfen . Jedenfalls soweit, dass die nette, aber nicht gerade kommunikative, Dame mit dem Pass und der Kreditkarte verschwindet. Um zu Telefonieren. Wir sollen doch bitte solange Platz nehmen. Da warten wir auch schön brav. Wie wir Schweizer das gelernt haben. Minute um Minute. Bis ich dann irgendwann genug habe und wieder an den Schalter zurückgehe. „Ja, ja wir sollen nur kommen. Sie hätte schon gewartet“. Nur gesagt hat das uns keiner. Leider bekamen wir hier wieder die gleiche Antwort. Auszahlung verweigert. Also müssen wir einen neuen Plan machen und gehen erst mal Mittag essen. So verhext wie der heutige Tag ist, so muss es auch weiter gehen. Wir hatten in diesem Restaurant wohl die unfreundlichste Bedienung seit wir in Namibia sind. Die hat uns das Essen auf den Tisch geknallt und uns um 2 „Pouletflügeli“ betrogen. Normalerweise können wir ja über solche Sachen gut hinweg sehen. Aber nicht an einem Tag wie heute. Die lapidare Auskunft war, „wenn es grosse Flügeli sind, gebe es nur sechs und wenn sie klein sind, acht wie auf der Karte steht. Dann hat sie auch noch was von halben Flügeli erzählt und ist mit einer Schnute davongelaufen. Die Chefin hat sich übrigens auch nicht an unseren Tisch bemüht, obwohl sie die ganze Diskussion mitbekommen hat. Irgendwann als wir eigentlich schon gehen wollten knallt uns die Bedienung nochmals zwei Flügeli auf den Tisch. Kommentarlos, so nach dem Motto, iss und stirb. Die hat nun wirklich kein Trinkgeld verdient, findet sogar Chrigu.
Während Chrigu mit der Bank telefoniert, werde ich mal wieder den Gang zur Spedition machen. Ich hatte denen ja angekündigt, dass ich lästig werde. Die sollen das auch wirklich merken.
Nun habe ich aber das Zauberwort gefunden. Barbezahlung! Was das doch nicht alles ausmacht. Nachdem ich nochmals nach dem Agenten des Zolls (da hat er wohl gemerkt, dass ich es ernst meine) und nach den Papieren gefragt habe, hiess es urplötzlich, doch die seine soeben gekommen. Das ist ja wunderbar. Dann können wir ja auch gleich das Bett mitnehmen. Ich würde auch eine Anzahlung von einem zwölftel machen, wenn er das möchte. „Nein es wäre schon gut. Ich soll doch um vier mit Chrigu ins Büro kommen dann können wir alles regeln“. Ob das eine gute Idee ist weiss ich aber noch nicht.
Nein es war keine gute Idee. Denn wir werden je länger der Tag dauert den Verdacht nicht mehr los, dass wir hier gerade richtig über den Tisch gezogen werden. Wir denken mittlerweile auch, das die Zollpapier schon längst ausgestellt waren, wir davon aber nicht in Kenntnis gesetzt wurden.
Es ist einfach schade, dass es so gelaufen ist. Wir hatten vorher und auch im Nachhinein nur gutes von dieser Spedition gehört. Wir hatten ja am Anfang, zusammen mit Kurt, auch wirklich ein gutes Gefühl. Wir dachten, das ist ein cooler Typ, der weiss was uns bevorsteht, ist ja selber auch erst eingewandert.
Unterdessen sind wir aber nur noch zermürbt und wollen einfach unser Bett und die restlichen Dinge. Wie nicht anders als zu erwarten war, konnten sie den Transport für morgen auch nicht organisieren. Das werden wir nun aber selber in die Hand nehmen. Keinen Tag warte ich länger mehr auf meine Ware.
Wir laden die Kiste zwölf in unser Büssli und fahren los. Bei einem kühlen Bier können wir wenigsten unseren Frust von der Seele reden und später in unseren eigenen Betten schlafen.
2. Teil folgt demnächst
Liebe Grüsse aus dem immer wärmer werdenden Swakopmund
Mirella und Chrigu
Vom Turmhaus zum Staubhaus
Nun sind wir also in unsrem Turmhaus eingezogen. Und wir geniessen es mehr oder weniger in unseren eigenen vier Wänden. Weniger, weil wir immer noch auf unsere Ware warten. Sonst haben wir uns schon etwas häuslich eingerichtet. Haben noch etwas wenig Licht (Überbrückung mit Kerzen) zu wenig Tische und Stühle (unser Leben findet zur Zeit auf der Campingausrüstung statt) keinen Kleiderschrank (der muss zuerst noch gemacht werden) und Chrigu muss immer noch im Potjie kochen.
So nach einer Woche will aber auch das schönste Turmhaus mal geputzt werden. Alle die mich kennen, wissen, dass ich es gerne sauber habe, aber Putzen definitiv nicht zu meinen Hobbys zählt. Aber was sein muss muss sein.
So machen wir uns also auf um Putzutensilien zu erstehen. Das stellt sich aber als schwieriger heraus, als man denkt. Es gibt schon alles zu kaufen, vor allem wenn man genügend Phantasie mitbringt. Und genügend Geduld. Einen Eimer und Putzmittel ist schnell gefunden. Doch dann wir es schon schwieriger. Nicht dass es hier keine Besen gibt. Aber die sind alle so kurz, offensichtlich für Halbwüchsige gemacht worden. Ausserdem sind das nicht die altbewährten Rosshaarbesen, sondern so billige Importware. Es gibt hier eine Firma, ADDIS, die stellt so Plastikware her. Vom Eimer, über Tupperware, zu Campinggeschirr und eben auch Besen. Das ist aber nicht etwa solides Plastik, das wir aus Europa kennen, nein es ist sehr dünn und deshalb sehr biegsam. Das beginnt damit, dass die Tupper nach dem ersten mal auf und wieder zu schliessen, nie mehr dicht sind (was eigentlich die Idee von Tupperware ist) Die Teller sind spätestens nach einer warmen Mahlzeit gewellt (was aber nicht so schlimm ist, weil ja auch alle Tische uneben sind) Die meisten Eimer halten auch nur eine Wellblechpiste aus, spätestens nach der zweiten haben sie einen Sprung. Und dann wären eben die Besen. Sie sehen beim Kauf auch gut aus, aber wehe sie werden losgelassen. Andauernd verlieren sie Kunsthaare, was einem immer wieder von vorne beginnen lässt. Dazwischen bricht entweder hinter die Kappe oder vorne der Besen.
Nichts desto trotz, der Boden will auch feucht aufgewischt werden. Da stehen wir natürlich vor der nächsten Herausforderung. Auch da hat ADDIS sich was einfallen lassen und hat ein Konkurrenzprodukt hergestellt. Aber es taugt für nicht viel. Die Idee, dass man den Lappen vom Boden aus einspannen kann, so wie das in Europa auch ist, geht leider nicht, weil das Ding zu einspannen schon von Anfang an nicht funktioniert. Also muss ich den nassen Lappen zuerst in die Hände nehmen, einspannen und dann kann’s losgehen. Aber nicht zu dolle drücken, den es kann durchaus passieren, dass der Stiel gleich auseinander bricht. Das wäre auch nur ein kleines Problem, wenn a) das Haus kleiner wäre, b) es nicht so viel Treppen hätte und c) es nicht soooooooooo viel Staub gäbe. Gerade jetzt hat sich nämlich das Turmhaus in ein Staubhaus verwandelt. In der Schweiz hatte ich einen Mann, zwei Hunde, zwei Katzen und ab und zu Mäuse die Dreck gemacht haben. Hier habe ich nur einen Mann, noch keine Hunde und auch noch keine Katzen. Dafür der Wind, das himmlische Kind, der täglich eine ganz feine Staubschicht in unser Haus legt. Also so kann das auf jeden Fall nicht weiter gehen.
Ein Staubsauger muss her und zwar schnell. Nichts einfacher als das, gibt es sicher überall zu kaufen. Es hat aber einen ganzen Tag in Anspruch genommen. Denn es hat nicht ein Geschäft wo es verschiedene Modelle gibt , sondern je ein Modell in verschiedenen Geschäften. Also fahren wir von Geschäft zu Geschäft und prüfen die Qualität und die Preise. Von Hiesigen habe ich auch erfahren, dass es unbedingt ein VAC sein muss, der keinen Beutel hat. Denn spätestens nach einem halben Jahr gibt es selbige nämlich nicht mehr. Macht eigentlich auch Sinn und ist erst noch umweltfreundlicher.
Als das gute Ding dann auch im Turmhaus angekommen ist, muss es gleich ausprobiert werden. Und es funktioniert sogar einwandfrei. Aber 1. die SUVA (schweizerische Unfallversicherung Anstalt) würde einen Gehörschutz vorschreiben und 2. wäre es nichts für Stauballergiker. Denn so was wie eine Staubschutzfilter gibt es nicht. Das wichtigste ist aber, dass er saugt und das tut er. Somit bin ich zufrieden.
Noch zufriedener wären wir aber, wenn wir endlich unsere Ware bekommen. Auf die warten wir zur Stunde immer noch
Liebe Grüsse aus Swakopmund
Mirella und Chrigu

